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Eselsweg-Retten
Alle Fragen rund um den Kasernenbau auf der Beverau haben wir in einem FAQ zusammengestellt.
Die Beverau ist die offene Wiesen- und Bachlandschaft im Aachener Südosten. Für uns ist es ein Stück Natur direkt vor der Haustür: ein Ort zum Spazierengehen, Joggen, Gassigehen und Durchatmen. Der Eselsweg gehört für viele zum Teil des täglichen Lebens und ist ein beliebter Zugang ins Grüne für Menschen aus ganz Aachen. Er verbindet die umliegenden Viertel mit dem Nellessenpark und den angrenzenden Waldgebieten, die ansonsten nur über große Umwege und insofern für viele nicht mehr fußläufig und niedrigschwellig zu erreichen wären.
Die Wiesen der Beverau gehören zu den wichtigsten Kaltluftentstehungsgebieten Aachens. In Sommernächten kühlt sich hier die Luft ab und fließt über das Beverbachtal in die Stadt, vor allem ins Frankenberger Viertel, das Ostviertel und in die tiefer gelegenen Teile des Aachener Kessels. Wie groß der Effekt ist, zeigen Messungen der Stadt aus der Nacht vom 13. auf den 14. August 2026: An der Adenauerallee sank die Temperatur auf 14,5 °C, in der Wilhelmstraße in der Innenstadt nur auf 21,3 °C. Untersuchungen der RWTH bestätigen die sehr hohe Bodenkühlleistung seit Jahren. Werden Hallen und Übungsflächen gebaut, geht diese natürliche Klimaanlage verloren. Das bedeutet mehr Hitze, und das ist besonders gefährlich für ältere Menschen, Kranke und Kinder. Die Stadt lehnt einen Eingriff daher ab.
Schon heute ist die Hochwassersituation am Beverbach laut Stadt kritisch. Das vorhandene Rückhaltebecken schützt nur vor kleineren Hochwassern, wie sie etwa alle zwei Jahre vorkommen. Ein Ausbau, der vor Hochwassern schützt, wie sie etwa alle 20 Jahre auftreten, ist in Planung. Für Wohngebiete gilt eigentlich der Schutz vor einem sogenannten Jahrhunderthochwasser als Ziel. Dafür braucht es weitere Rückhaltebecken; das Größere davon ist ausgerechnet auf der Fläche geplant, die die Bundeswehr bebauen möchte. Heute nehmen die Wiesen den Regen auf und bremsen den Abfluss. Wird die Fläche versiegelt, fließt mehr Wasser schneller in den Beverbach, was im Ernstfall katastrophalen Folge für das Frankenberger Viertel hat. Für zusätzliches Regenwasser hat auch die Kanalisation keinen Platz mehr. Die städtische Wasserbehörde lehnt die Bebauung deshalb ab. [Quelle]
Für viele Menschen aus Burtscheid, Forst, Beverau und dem Frankenberger Viertel ist der Eselsweg der kürzeste Weg ins Grüne und in den Aachener Wald. Kinder spielen am Bach, Kitas und Schulen erleben hier Natur, und viele drehen hier täglich ihre Gassi- oder Laufrunden. Die Stadt schreibt selbst, dass die Erweiterung den Zugang zur Landschaft „erheblich eingeschränkt oder vollständig unterbunden“ würde. Ein Kasernengelände ist ein militärischer Sicherheitsbereich, also eingezäunt und für die Öffentlichkeit gesperrt. Ob der seit 1854 öffentliche Fußweg im Falle eines Kasernenausbaus erhalten bleibt, ist offen, aber schwer vorstellbar. Und selbst wenn er bleibt: Statt an Wiesen mit weitem Blick ginge er dann an einem militärischen Komplex aus Zäunen, Hallen und einem Verkehrsübungsplatz entlang. Insgesamt ist mit dem Erhalt des Weges allein nichts gerettet.
Die Beverau ist Teil eines Biotopverbunds, der die Stadt mit dem Aachener Wald und dem Naturpark Nordeifel verbindet. Die Untere Naturschutzbehörde beschreibt das Grünland und seine Umgebung als Lebensraum und Nahrungshabitat für zahlreiche Arten, unter anderem Gartenrotschwanz, Habicht, Kleinspecht, Waldkauz, Mäusebussard, Turmfalke, Schleiereule, Star, Saatkrähe, Grau- und Silberreiher, Weißstorch und Schwalben. Außerdem werden mehrere Fledermausarten und die Wildkatze aus dem Aachener Wald aufgeführt. Im Beverbach gibt es außerdem Hinweise auf den Schlammpeitzger, einen Fisch, der in NRW als vom Aussterben bedroht gilt. Die Untere Naturschutzbehörde rechnet mit einem großflächigen Verlust von Nahrungs- und Jagdgebieten und sieht die Erweiterung insgesamt sehr kritisch.
Die Kaserne ist nur über den Kornelimünsterweg erreichbar. An der Kreuzung Kornelimünsterweg, Adenauerallee und Karl-Marx-Allee gibt es laut Stadt schon heute zu Hauptverkehrszeiten häufig lange Wartezeiten und Rückstau. Die Stadt bezweifelt, dass das Straßennetz das zusätzliche Verkehrsaufkommen, v. a. Ketten- und Panzerfahrzeuge, aufnehmen könnte. Schon jetzt werden vereinzelt Ketten- und Panzerfahrzeuge über Trierer Straße, Monschauer Straße und Adenauerallee zur Kaserne gebracht, teils durch einen maroden Tunnel. Im Raum steht auch eine zusätzliche Zufahrt von der Adenauerallee; die Stadt warnt, dass sie die Verkehrslage nochmals deutlich verschlechtern würde. Der schmale Kornelimünsterweg, der außerhalb des Ortes keine Gehwege hat, müsste ausgebaut werden, mitten in einem beliebten Ausflugsgebiet.
Nach dem Völkerrecht können militärische Einrichtungen im Kriegsfall als legitime Angriffsziele gelten. Je näher militärische Infrastruktur an dicht bewohnte Viertel rückt, desto näher kommt dieses Risiko an unsere Häuser, Wohnungen, Kitas und Schulen. Nutzbare Schutzräume gibt es in der Region nicht mehr. Wir wollen keine Panik machen, aber: Die Bundeswehr plant hier für den Ernstfall – sollte dieser entreten, wäre unser Viertel wohl stärker gefährdet.
Ja. Die Kaltluftfunktion der Fläche reicht über das unmittelbare Wohnumfeld hinaus, besonders das Frankenberger Viertel profitiert hiervon. Auch die Hochwassersituation am Beverbach betrifft neben Beverau das Frankenberger Viertel und weitere innerstädtische Bereiche. Verkehrliche Auswirkungen könnten entlang der Zufahrtsrouten spürbar werden. Die Folgekosten für Rückhaltebecken, Straßen, Kanäle und Klimaanpassung tragen am Ende alle Aachener*innen; und der Haushalt steht schon jetzt unter Druck. Zudem geht es um eine öffentliche Grundsatzfrage: Wie werden kommunale Planung, Beteiligung und übergeordnete Bundesinteressen gegeneinander abgewogen? Wie steht es um die Demokratie? Die Beverau ist deshalb nicht nur ein Thema für direkte Anwohner*innen, sondern betrifft die Stadtentwicklung und Lebensqualität in Aachen insgesamt.
Den Bedarf hat das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) gegenüber dem Land geltend gemacht. Als Nutzerin ist die Technische Schule des Heeres vorgesehen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) führt die Grundstücksverhandlungen. Das Verfahren zur Landbeschaffung läuft nach dem Landbeschaffungsgesetz. Im Auftrag des NRW-Finanzministeriums hat die Bezirksregierung Köln die Stellungnahmen gesammelt, inklusive die der Stadt Aachen. Daraus formuliert die Landesregierung ihre eigene Stellungnahme. Das letzte Wort hat das Verteidigungsministerium, auch wenn Stadt oder Land Bedenken haben. Wenn kein Kauf zustande kommt, erlaubt das Gesetz sogar eine Enteignung. Deshalb gehen unsere Forderungen und Briefe nach Köln, Düsseldorf und Berlin.
Sie sagt deutlich Nein zu den Bebauungsplänen. In ihrer Gesamtstellungnahme an die Bezirksregierung Köln vom 30.09.2026 kommt sie „insgesamt zu einer negativen Einschätzung“. Alle beteiligten Fachbehörden (Boden, Wasser, Naturschutz, Landschaft und Stadtklima) bewerten die Auswirkungen als „sehr erheblich“. Wasser- und Bodenschutzbehörde verlangen ausdrücklich, die Fläche frei zu halten. Den zusätzlichen Verkehr hält die Stadt für nicht zu bewältigen, die Entwässerung für ungelöst.
Normalerweise entscheidet die Stadt über ihre Pläne, was wo gebaut wird; das garantiert das Grundgesetz als kommunale Planungshoheit. Für Vorhaben der Landesverteidigung gilt aber Sonderrecht: Bei Flächen, die nach dem Landbeschaffungsgesetz erworben werden, wird die Stadt nur angehört – ein Veto hat sie nicht. Außerdem brauchen Anlagen der Landes- und Bündnisverteidigung in NRW seit Anfang 2026 keine Baugenehmigung mehr. Dabei hat die Stadt damals schon längst über die Beverau entschieden: Nach fachlicher Prüfung und Protesten der Anwohner*innen hat sie eine Wohnbebauung verworfen und die Fläche im Flächennutzungsplan als Landwirtschaft und „Belüftungsbahn Stadtklima“ gesichert. Die Bundeswehr war sogar an diesem Verfahren beteiligt und hat nicht widersprochen.
Der größte Teil gehört der privaten Gut Schönthal GmbH. Sie wurde 2013 von zwei Investoren gegründet und besitzt weite Teile der rund 160 Hektar um Gut Schöntal. Gekauft wurden die Flächen um sie in lukratives Bauland umzuwandeln, als dort noch über Wohnbebauung diskutiert wurde; die Stadt hat sie später verworfen. Jetzt verhandelt die BImA über den Kauf, der laut Presse wohl schon weitestgehend verhandelt ist. Den Preis kennt die Öffentlichkeit nicht; bezahlt wird er mit Steuergeld. Für den Ausbau der vier Bundeswehrstandorte in der Region sind insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro im Gespräch. Viele Folgekosten bleiben bei Stadt und Allgemeinheit: Rückhaltebecken, Straßenausbau, Kanalisation, Busanbindung, Klimaanpassung, und eventuelle Folgeschäden z. B. bei einem Hochwasser. Allein den Kühlwert, die die Fläche unserer Stadt aktuell bringt, beziffert die Stadt auf rund 8,6 Millionen Euro pro Sommer.
Wir sind eine parteiunabhängige Bürgerinitiative. Bei uns engagieren sich Nachbar*innen aus der Beverau, Burtscheid, Forst, dem Frankenberger Viertel und aus ganz Aachen. Uns verbindet ein Ziel: den Eselsweg und die Beverau zu erhalten. Unser Protest richtet sich gegen den geplanten Ausbau an diesem Standort – und gegen ein Verfahren, in dem Stadt und Nachbarschaft übergangen wurden. Dabei hat Aachen längst entschieden: Nach Protesten aus der Bürgerschaft wurden Pläne für eine Bebauung verworfen und die Beverau als landwirtschaftliche Fläche und Frischluftschneise der Stadt gesichert. Diese demokratische Entscheidung muss gelten. Stattdessen soll am Ende das Verteidigungsministerium in Berlin den Daumen heben oder senken – aus der Ferne, ohne dass die Stadt ein Veto hat, und notfalls gegen den erklärten Willen der Menschen vor Ort. Das halten wir für zutiefst undemokratisch. Es geht um eine Naturlandschaft, die für uns unersetzlich ist, und um die Lebensqualität in unserer Stadt für kommende Generationen. Darüber müssen die Menschen entscheiden, die hier leben. Denn die Stadt gehört denen, die in ihr wohnen. Auch andere Gruppen engagieren sich in Aachen zu diesem Thema; wir arbeiten unabhängig und mit unserem eigenen Schwerpunkt.